Zwei Männer im Rollstuhl sorgen in Schwaz für Bewegung

Zwei Menschen - ein Schicksal

Zwei Männer im Rollstuhl sorgen in Schwaz für Bewegung

Schwaz – Manchmal ist von einer Sekunde auf die andere nichts mehr, wie es war. Und manchmal sind es genau dies­e tragischen Schicksalsschläge, die verbinden und durch die sich neue Perspektiven eröffnen. „Es ist die eigene Entscheidung, ob man sich als Opfer oder Schöpfer sieht und die Dinge negativ oder positiv wahrnimmt“, sagt Alexander Ledermair. Der 30-Jährige mit dem gewinnenden Lachen ist mit seinem Vater Geschäftsführer der Firma Ledermair Verkehrsbetriebe und sitzt seit einem Snowboardunfall im Jahr 2010 im Rollstuhl.

„Ich war kopfüber gelandet und spürte meine Beine nicht mehr“, erinnert er sich. Doch er blieb optimistisch, gibt die Hoffnung auf Heilung bis heute nicht auf. Und seine positive Einstellung und Ausstrahlung ließ Amor auf den Plan treten: „Bei der Physiotherapie lernte ich meine Ehefrau kennen“, erzählt er. Inzwischen haben sie eine zweieinhalbjährige Tochter. „Ich bin gut im Leben angekommen“, bilanziert Ledermair.

Nach einem Autounfall, vielen Operationen und schwerer Krankheit landete auch Carste­n Hafeneder im November 2016 im Rollstuhl. Den Job als Objektleiter einer Busreinigungsfirma konnte er zwar behalten. „Aber ich wohnte in München im zweiten Stock ohne Aufzug“, erzählt er. Eine barrierefreie Wohnung dort zu finden, sei unmöglich gewesen. „24.000 andere suchen auch eine, die Wartezeit beträgt sechs Jahre“, erzählt er.

Die großräumige Suche brachte ihn und seine Frau schließlich nach Innsbruck: Einzug im Juli 2017. „Aber jetzt stand ich ohne Job und Geld da. Beim Arbeitsamt in Deutschland sagten sie mir, wenn ich trotz sicherer Arbeit in Deutschland gehe, sei das mein Problem.“ Auf zig Bewerbungen, die Hafeneder schrieb, erhielt er keine Antwort. Verzweifelt landete er schließlich bei Marianne Heng­l und ihrem Verein „RollOn“, die ihr besonderes Netzwerk aktivierte. Ein Videoaufruf auf Facebook führte schließlich zum Erfolg – und die beiden Rollstuhlfahrer Alexander Ledermair und Carsten Hafeneder zueinander. „Bei uns tat sich eine Stelle in der Disposition auf. Und ich sagte, Carsten solle seine Unterlagen mal schicken“, erzählt Ledermair. Es gab zehn weitere Bewerber. „Wir brauchen einen stressresistenten, voll einsatzfähigen Mann für diesen anspruchsvollen Job. Mir war bewusst, dass wir mit Carsten ein gewisses Risiko eingehen würden, denn ich kenne selbst die schwierigen Phasen, durch die man als Rollstuhlfahrer geht“, sagt der junge Firmenchef. Zwei Tage vor Weihnachten erhielt der Deutsche die Einladung zu seinem ersten Vorstellungsgespräch. „Das war das geilste Weihnachten“, blickt Hafen­eder zurück. „Carsten war bei unserem Gespräch offen und ehrlich und niemand strotzte so vor Arbeitswillen wie er“, erklärt Ledermair, warum der Bayer den Job letztlich bekam. Carste­n Hafeneder weiß noch jedes Detail des Anrufs an jenem Freitag im Dezember um 15.33 Uhr, der eine Wende in seinem Leben bedeutete. „Ich konnte es nicht fassen, dass es keine Absage, sondern die Mitteilung über meinen Arbeitsbeginn war. Und ich fühle mich immer noch wie im Traum“, ist Hafeneder überglücklich über die neue Herausforderung und darüber, nun Teil eines Teams zu sein.

Seit 2. Jänner meistert der 45-Jährige voll motiviert seinen spannenden Job in Schwaz. Alexander Ledermair betont, dass er Hafeneder nicht aus Mitleid eingestellt habe, sondern weil er an ihn glaube. „Wir sind kein Sozialverein, davon kann unsere Firma nicht leben. Die Leistung muss stimmen. Wir geben Chancen, bewähren müssen sich die Mitarbeiter selbst.“